|
| |
Gräfenberg erduldete tapfer den Durchmarsch von rund 150 Neonazis.
Gespenstische Stille im Ort. Kein Mensch auf der Straße, kein
Laut aus den Wirtshäusern zu hören. Dafür Polizeisperren auf allen
Einfahrstraßen, viele grüne Minnas patrouillierten durch die Straßen. Geduldig
mussten die Autofahrer z.B. auf der B 2 Gesichtskontrollen über sich ergehen
lassen; manche auch mehr in etwas abgelegenen Buchten.
Am
Marktplatz: Transparente "Gräfenberg stellt sich quer", und "Bayern SPD", eine
kleine Bühne auf der drei Barden spielten und später Reden geschwungen wurden.
Hier, so hieß es kommen die Neonazis vorbei. Sie kommen vom Bahnhof und wollen
zum Kriegerdenkmal. Polizisten in Uniform redeten mit den Bürgern
(Kontaktbeamte) klärten auf, dass jeder Deutsche, egal welcher Gesinnung, das
verbriefte Recht hat, eine friedliche Demo durchzuführen. Ja, es könnte
theoretisch so weit kommen, dass man die Nazis vor den Bürgern schützt... Hier
kam es nicht soweit, Gut so. Die Polizei verteilte Flugblätter, in denen sie
dazu aufforderte "friedlich" zu bleiben. Langsam füllte sich der Platz. Eine
junge Polizistin meinte im Gespräch, dass so etwa 300 bis 400 Bürger hier
versammelt sein könnten. Denen stehen etwa 150 gemeldete Neonazis gegenüber und
einige Hundertschaften Bereitschaftspolizei aus Nürnberg und Bamberg. Auch
"schwarze Scheriffs" wie sie ein Augenzeuge nannte sind darunter.
Unterstützungskommandos, steht auf den Transportfahrzeugen, viel mehr war über
die geheimnisvollen Kämpfer, die den Schlagstock unter der Achsel trugen, nicht
zu erfahren.
Bürgermeister
Werner Wolf konnte nicht verstehen, warum die NPD gerade hier und das zum achten
Mal schon ihren Aufmarsch hält. Solche Leute, sagte er in seinem Grußwort unter
dem starken Beifall der Anwesenden, sind bei uns unerwünscht. Das soll auch die
Gegendemonstration, zu der die gesamte Stadtratsfraktion aufgerufen hatte,
zeigen. Hartmut Koschyk, parlamentarischer Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe
im Deutschen Bundestag, warnte davor, das widerliche Schauspiel der NPD" einfach
so hinzunehmen. "Wer schweigt, stimmt zu", meinte er kämpferisch. Deshalb hat
die NPD "hier in Gräfenberg und auch im ganzen Land nix verloren". Die
SPD-Bundestagsabgeordnete Anette Kramme warnte ebenfalls davor, die Neonazis zu
ignorieren. "wehret den Anfängen und zeigen sie den Rechtsradikalen, dass sie
hier nicht erwünscht sind".
Es
dauerte bis halb eins, dann kündigte dumpfes Trommeln den Zug an. Begleitet von
zahllosen Polizisten liefen die überwiegend sehr jungen Nazis schweigend an der
Gegendemonstration am Marktplatz vorbei. Hier hatte Schauspieler Jan Burdinski
(Theatersommer Fränkische Schweiz) schon vorher erfolgreich die Menschen
animiert, zu diesem Zeitpunkt ein Eselsgeschrei anzustimmen. Ein lautes
iiaah, iiiaaah aus zahlreichen Kehlen erklang, unterbrochen von der Musik der
Gruppe "Bach3Barden1Band", die am Vorabend ein erfolgreiches Konzert in
Gräfenberg absolvierten und sich spontan bereit erklärten, an der
Gegendemonstration mitzuwirken. Etliche der NPD-Anhänger hatten pechschwarze
Fahnen dabei und waren auch noch dunkel gekleidet: Ein gespenstisches Bild, dass
Angst erzeugen kann. Mann stelle sich solch eine Gruppe vor, die abends durch
die Straßen läuft.... Wenige Minuten dauerte der Marsch, dann war alles vorbei.
Einige Linksradikale schrien laute Parolen, die Mehrheit jedoch schwieg und
machte sich ihre Gedanken. Dabei hatten die Gesichter keine fröhlichen Mienen.
NEIN, so etwas wie die Nazis darf es nicht mehr geben. Hier nicht und auch nicht
anderswo.
| |
|