Affalterthal in der Fränkischen Schweiz

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Die Affalterthaler Kirchenorgel

Mit einem Kostenaufwand von rund 50 000 Euro ließ die Kirchengemeinde Affalterthal in den letzten Wochen die Orgel der Dorfkirche reinigen und instand setzen. Dabei stellte man den ursprünglichen Zustand wieder her. Am Pfingstsonntag, (4. Juni 2006) wurde sie von Dekan Erwin Engelhardt mit einem Festgottesdienst wieder eingeweiht.  
   
Anlass für die Überholung war ein 1997 erstelltes Gutachten des Orgelsachverständigen Thomas Schumann aus Nürnberg, in dem er den „bedenklichen Zustand“ des Musikinstrumentes und einen starken Verschmutzungszustand fest stellte. Durch den Einbau neuer, für die Orgel „untypischer“, Register im Jahre 1972 (womit man dem Zeitgeist Tribut zollte) wurde außerdem ihr „ursprüngliches Klangbild“ zerstört, stellte der Experte fest. Er empfahl, das Instrument als „schützenswertes Kulturgut“ zu erhalten und den „Urzustand wieder herzustellen“. Aus dem Jahre 1891 stammt die Affalterthaler Orgel, gebaut von der renommierten schwäbischen Firma Georg Friedrich Steinmeyer (aus Öttingen), zum Preis von damals 3200 Mark. Als „Choralorgel“, die in erster Linie in der Liturgie das Singen der Gläubigen begleitet, hatte sie die ideale Ausstattung.

Orgelsachverständiger Thomas Schumann bei der Abnahme

 

   
Dem Rat des Orgelsachverständigen und auch der ausführenden Orgelbaufirma Benedikt Friedrich aus Oberasbach folgend, ließen die Affalterthaler Kirchenvorstände daher die fünf ursprünglichen Register (Bordun, Gamba, Flöte, Mixtur und Violon) wieder einbauen; zusammen mit den seit Anbeginn vorhandenen Registern Salicional, Oktave, Quinte, Prinzipal und Subbass ergab dies die ursprünglichen zehn Register. Außerdem unterzog man das gesamte Werk einer umfassenden Säuberungs- und Renovierungsaktion. Alle 459 Pfeifen beispielsweise baute die Orgelbaufirma aus, die Hälfte ersetzte sie, die anderen reinigte sie gründlich. 21 Prospektpfeifen (das sind die Sichtbaren an der Frontseite) aus Zinkblech wurden durch Zinnpfeifen ersetzt. Auch das ein „Rückbau“, denn ursprünglich hatte die Orgel (als Opus Nummer 417 in der Firmenchronik festgehalten) schon Zinnpfeifen. Diese mussten aber, wie auch die Glocken, schon im ersten Weltkrieg als Rohstofflieferant abgegeben werden, bemerkte Schumann. Die Spielbank baute man bei der Gelegenheit auch um, so dass nun auch große Organisten, wie der junge Andreas Deuerlein (24), der seit letztem Jahr hier die Orgel spielt, genügend Platz für die Fußarbeit haben.

Andreas Deuerlein bei der Spielprobe

   
Die mechanische Traktur mit Kegelladen sorgt für ein „ländliches Steinmeyer-Klangbild“ lobte der Orgelsachverständige bei der Spielprobe zur Orgelabnahme, was sie zu einer „Vorzeigeorgel“ werden lässt. Heutige Werke bringen dieses Klangbild nicht mehr zustande. Die lange Zeit vom ersten Gutachten bis zur Ausführung der Arbeiten erklärt sich durch Geldmangel in der Kirchengemeinde. 1995 sanierte die Kirchengemeinde mit einem Kostenaufwand von rund 400 000 Mark die Ortskirche und das Pfarrhaus. Interessantes Detail am Rande: Der Ton jeder Pfeife musste nach der Säuberung überprüft und neu eingestellt werden. Wie bei einer Sardinenbüchse kann man die Pfeife dazu seitlich „aufschlitzen“ und wieder schließen. Damit wird der Ton reguliert. Eine mühsame und zeitraubende Arbeit. Das Anfassen der Zinnpfeifen ist übrigens aus gutem Grund untersagt: Der Handschweiß reagiert mit dem Zinn und erzeugt einen „Fingerabdruck“, der auch durch intensiven Polieren nicht mehr entfernt werden kann. Ein ewiges „Beweismittel“.

Blick ins Orgelinnere mit dem Stimmgang. Hier arbeiten 459 Pfeifen und 10 Register

   
Geldüberschuss war der Grund für die Orgelanschaffung im 19. Jahrhundert. Wie der Pfarrbeschreibung jener Zeit zu entnehmen ist, „sparte“ man durch die zweijährige Vakanz der Pfarrstelle soviel Geld, dass man die Orgel (als Ersatz für das alte Harmonium) bestellen konnte. Eingeweiht wurde sie damals am dritten Sonntag vor Ostern (Laetare) 1891, also in der Fastenzeit. Noch ein allgemeines Wort zu den renommierten Steinmeyer - Orgeln. In der Igensdorfer St. Georgkirche steht ebenfalls ein Werk in Originalausstattung, aus dem Jahre 1882. Sie wurde von der gleichen Firma saniert und diente klanglich als Vorbild für den Rückbau der Affalterthaler Orgelregister. Die größte Steinmeyer-Orgel steht in Bamberg, in der St.-Martins-Kirche am grünen Markt. Jenes Werk, 1894 erbaut, trägt die Opusnummer 510, hat zwei Manuale und 38 Register.

Detail einer Orgelpfeife: Wie bei einer Sardinenbüchse kann man die Pfeife seitlich „aufschlitzen“ und wieder schließen. Damit wird der Ton reguliert.

Reinhard Löwisch

 
   
   
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 Von Reinhard Löwisch - für's Dorf

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